Mittwoch, 24. Mai 2017

Familie Hunger aus dem Winkel zwischen Drage und Netze in Großpolen


Die Landschaft Großpolen (Polonia maior, Wielkopolska) bildet den historischen Kern Polens. Nach der Gründung der 1. Polnischen Republik im Jahr 1569 wurde eine Großprovinz namens Großpolen geschaffen. Wielen, deutsch Filehne, ist eine Stadt- und Landgmeinde im Powiat Czarnkowsko-Trzcianecki (Scharnikau-Schönlanke) in der polnischen Woiwodschaft Großpolen. Im Jahre 1108 wird Filehne erstmals erwähnt. Filehne war ursprünglich eine auf einer Insel in der Netze gelegene Grenzfestung der Pommern.

Die erste Besiedlung deutscher Bauern erfolgte in der Mitte des 12. Jahrhunderts, dichte Wildnis herrschte früher hier, nur wenige Siedlungen lagen links und rechts der Netze. So soll es zwischen den Jahren 1245-1395 sieben Siedlungen und drei Burgen in der Gegend gegeben haben. Es folgte weiterer Zustrom im 16. Jahrhundert durch Menschen meist niederdeutschen Stammes. Die allerwichtigste lautliche Veränderung in den deutschen Mundarten ist die sogenannte zweite Lautverschiebung. Die Linie, die Hochdeutsch und Niederdeutsch trennt, führt zwischen Driesen und Schwerin, zwischen Filehne und Birnbaum, zwischen Goslin ud Posen her, derart, dass Filehne, Obersitzko, Obornik, Goslin, Pudewitz, Kostschin, Wreschen und was nördlich davon liegt nordeutsch sind, während Schwerin, Zirke, Wronke, Samter, Buk, Posen, Kurnik, Schroda, Miloslaw und was südlich davon liegt hochdeutsch sind.

Gut Wielenskie holte im 16. Jahrhundert neue Kolonisten in die Dörfer, diese sollen aus Brandenburg, den Niederlanden und Pommern gekommen sein. In den 1580ern kamen "Oleder" in die Feuchtgebiete.

Die Art der Anlegung geschah nach Beschaffenheit des Landes und durch Gründung von Schulzen- oder Holländerdörfern. Schulzendörfer waren höher gelegen und bewaldet, z. B. Drensen, Eichberg, Grünfier, Hansfelde, Kotten und Selchow (gegr. 1580 mit 6 Kleinbauern). In ihrem Zentrum liegen der Markt und die Kirche, die Bewohner waren Lokatoren (freie Unternehmer) Eigentümer.

Die Holländerdörfer - polnisch Olandrowie, entstanden in den sumpfigen und von Fließen durchzogenen Gebieten, wie Lokacz/Lukatz im Jonnenbruch, Erbardorf, Follstein, Ludwigsdorf, Mariendorf und Neuhöfen im Netzebruch. Holländerdörfer sind langgezogene Dörfer, die erst später Dorfcharakter entwickelten. Die Männer waren in einem Hauländerstand und agierten als Gemeinschaft. Verschiedene Grundherren hatten hier Privilegien ausgestellt, welche das Verhältnis zwischen Grundherrschaft und Holländern verbriefte. Für Lutheraner gab es eine Religionsfreiheit. Die Grundstücke wurden erblich und gegen Zahlung eines jährlichen Erbzinses überlassen.

Die letzten beiden gegründeten Holländereien waren um 1700 Lukatz und 1714 Ludwigsdorf.

Nach und nach erfolgte eine Gleichstellung zu den Schulzendörfern. 1777 begann die Siedlergattung der "Holländer - Hauländer" zu schwinden. Filehne/Wielen war Verwaltungssitz und Pfarrei.

Die Grafschaft Czarnowski hatte Land auf beiden Seiten des Flusses Netze/Notec, somit war die Wanderung der Untertanen der Czarnowski's über die Netze keine Seltenheit. Sie entwässerten den ehemaligen undurchdringlichen Sumpf und gewannen weite üppige Wiesen und fruchtbare Felder einer Landschaft, die von zahlreichen Einsenkungen mit Torfmooren, Seen und Fliessen durchsetzt war. Aber es gab auch reiche Sandflora mit sandigen Höhen mit Kiefern bewachsen, während in den tiefer gelegenen, feuchten Gegenden gemischtes Laubholz wuchs.

Die Drage entspringt im Kreis Neusettin in der Provinz Pommern. Sie durchläuft mehrere Seen und kleine Fließe, bis sie am Dragekrug vorbei zwischen den Holländereien Neubelitz und Sophiendorf  auf dem Provinzialgrenzzuge in die Netze mündet.
 
Bereits in altpolnischer Zeit, im westlichen Teil der Provinz Posen im Landkreis Filehne/Wielen, lebten seit dem 17. Jahrhundert ein Teil meiner Vorfahren, die Familie Hunger.


















Maciej Hunger v. Godowski Olenderczyk

Angehöriger der polnischen Szlachta ([ˈʂlaxta]), deutsch Schlachta (althochdeutsch slahta ‚(Adels-)Geschlecht‘). Diese war der Adelsstand im Königreich Polen, später (bedingt durch die Union von Lublin) auch in der ganzen polnisch-litauischen Adelsrepublik. 


Der polnische Adel hatte in seiner Ausprägung eine Sonderstellung in Europa, vergleichbare Strukturen findet man nur in den schottischen Clans. Die Gesamtheit des polnischen Adels wird unter dem Begriff „szlachta“ (leitet sich vom Wort Geschlechter ab) zusammengefasst. In dieser Gemeinschaft findet man sowohl den verarmten Landadel, der sich kaum vom einfachen Bauern unterschied, als auch den reichen großgrundbesitzenden Fürsten, bis hin zum (gewählten) König. Jeder der in irgend einer Form Anteil an einer adeligen Besitzung (panen-guttere) hatte, oder von einem Adeligen abstammte, und keinen Landbesitz mehr hatte, wurde zum Adel gezählt. 


Aufgrund des Erbrechtes, dass die Güter zu gleichen Teilen auf die Söhne aufteilte, ergaben sich oft Besitzungen die zu klein waren, um bewirtschaftet zu werden, diese wurde oft verkauft, und so kam es dass es auch Adelige ohne Landbesitz gab. Bis zu 15% der polnischen Bevölkerung gehörten in den besten Zeiten dem Adelsstand an. Höhere Bevölkerungsanteile an Adeligen hatten nur Georgien und der Kaukasus.  Auch in Polen selbst gab es starke Streuungen, so z.B in Podlasien, Masowien, Dobrzyn und Lomza dort wurden 30 Prozent der Bevölkerung dem Adel zugerechnet. Im 18. Jahrhundert wurde der Adel abgeschafft.

1)

Mathias (Maciej) Hunger, geboren etwa 1635 in einem unbekannten Ort, war ein angesiedelter Kolonist im Holländerdorf zwischen Drage und Netze (auch genannt Olendry, Nähe Sophiendorf an der Drage). Sophiendorf oder Lukatz, adeliges Dorf an der Drage, nebst einer ev. Kirche mit 70 Feuerstellen. Gelegen an der oberen Poststrasse von Filehne nach Driesen in der Neumark
Diese Gegend war zu dieser Zeit ein einziger Matsch.
 
Seine Erwähnung findet sich u.a. in seinem Heiratseintrag am 09.01.1667 im katholischen Kirchenbuch Wielen.
Seine Ehefrau ist Hedwig Dumke (Dymek) *1638 in Selchow (Zelichowo). Hedwig, muss vor oder in 1679  verstorben sein, denn 1679 schließt Mathias eine neue Ehe mit Marianna Sturm.

Hedwigs Vater war Lucas Dumke *1602 Selchow, verstirbt in Selchow. Ihre Mutter war Dorothea N.N. Dumke's waren seit der Ortsgründung als Vorwerk dort bereits ansässig. Selchow - Selchau, adelisches Dorf und Vorwerk nebst einer Wassermahl- und Grütz-Stampfmühle mit seinerzeit 43 Feuerstellen, an der Landstrasse nach Schloppe gen Norden und Driesen in der Neumark im Süden.


2)

Kinder von Mathias und Hedwig sind:


Katharina  *1670 Olendry, + Olendry, 00 1695 Wielen, Joannes Schulz, *1670 Jedrzejewo,/Putzig,

Anna *1674 Olendry, +  Selchow, 00 1699 Wielen, Bartholomäus Bart (Bartek), ein Fischer aus Selchow,

Joannes *1676 Olendry, + Alt Latzig (Stare Laski, genannt Laski), Vorwerksgründung 1638 ,
00 um 1702 Wielen, Katharina N.N.


3)

Kinder von Joannes und Katharina :

Michael *1703 Olendry, 00 1730 Wielen, Katharina Dumke, *1707 Selchow,
+ 1799 Helst (Chelst) , (Eltern Martin Dumke und Anna Stach),

Marianna *1711 Laski,  + 1766 dto,
00 1736 Wielen, Michael Schulz *1705 Olendry, (Eltern Johann Schulz und Katharina Hunger (s.o) ),

Laurentius (Lorenz) *1713 Laski, + Huta, das spätere Glashütte, *
00 1752 Wielen, Catharina Becker (Bekies) * 1729 Huta, + 1762 Huta.
(Eltern Chrisoph Becker und Katharina Buk *1700 Zirkau (Sierakow) , Städchen an der Warthe),
Laurentius war insgesamt 3 x verheiratet

*
1709 entstand eine Glashütte und es kamen Arbeiter aus Böhmen, 1716 wurde der Ort Huta gegründet.
1742 kamen weitere Familien dazu: 10 Familien aus dem Brandenburgischen, 10 aus der Herrschaft, 6 aus den          Nachbargemeinden, 1 weitere aus Böhmen, 1773 214 Menschen (43 Bauern 3 Einlieger).


4)

Kinder von Laurentius und Catharina :

Jacob *1753 Huta,
00 1) 1783 Zaryn, Marianna Bedelmann *1760 Selchow, + 1792 Huta,
00 2) 1793 Wielen, Anna Nawrot,+ Huta,
Magdalena *1755 Kienwerder,
Martin *1757 Huta, 00 1785 Wielen, Regina Zagorska *1762, + 1832 Huta,
(Eltern Adalbert Zagorski, Pelzhändler und Kürschner, und Hedwig Kube (Kubianka), + 1789,)
Helena *1762 Huta,
00 1780 Wielen, Joannes Rosanke (Rozanek) *1746 Huta,







5)

Kinder von Martin und Regina Zagorska:

Marianna *1788 Huta,
Anna Elisabeth *1791 Huta,
Mathäus *1793 Huta, + Glashütte,
00 Anna Maria Elisabeth Teske *1795 Kienwerder, + 1895 Glashütte,
(Eltern Martin Teske und Anna Maria Sommerfeld aus Kienwerder)
Christian Michael *1799 Huta,

1827 war Mathäus Eigentümer und Landwirt in Kienwerder. Seine Religion war katholisch, die seiner Ehefrau Anna Maria Teske evangelisch. Die beiden verstarben in Glashütte. Die vielen Kinder wurden evangelisch getauft und konfimiert.







6)

Mathias *1817 Kienwerder, 00 1842 GH, Ernestine Nierenz, *1815, + 1872,
Mark *1818 in Kienwerder , Konfimiert 1832 in Lukatz,
Carl Friedrich *1819 Kienwerder,
Christine *1820, + 1825 Kienwerder,
Christoph August *1820, + 1821 Kienwerder,
Johanne Luise *1822 Kienwerder, konfimiert 1836 in Glashütte,
Henriette *1823 Kienwerder, konfimiert 1837 in Glashütte, 3 x verheiratet,
Johann Gottlieb *1825 Kienwerder, 00 1849, Henriette Petrich,
Johann Ferdinand *16.04.1827 Glashütte, 1852 Arbeitsmann in Kienwerder, 1892 Eigentümer, Einlieger, Landwirt und Arbeitsmann in Glashütte, + 22.08.1896 Glashütte, Geburtsort evtl. falsch angegeben und  Kienwerder,
00 04.01.1852 Klein Lubs, Eintrag im KB Eichberg, Ernestine Wilhemine Lisette Schering *1829 in ?,  1852 Aufenthaltsort Kienwerder, + Glashütte nach 1889,
Johann Michael *1828 Glashütte,  Geburtsort möglicherweise falsch angegeben und auch KW,
00 1855 Eintrag KB Eichberg, Ernestine Wilhelmine Priem, *1832 Neuendorf, gehen nach Wolhynien, dann USA,
Caroline Friederike *1831 , + 1833 Kienwerder
Carl Friedrich *1833 Kienwerder,





7)

Kinder von Johann Ferdinand und Ernestine :

Totgeburt */+ 04.04.1855 Kienwerder,
Auguste Marie *geschätzt 1860 in ?, 1889 Dienstmagd in Glashütte (2 uneheliche Kinder 1885+1889),
Herman Adolf *15.07.1865 Koppenhof, Drage, Arbeiter, + Glashütte,
00 1) 27.01.1892 Glashütte,  
Bertha Hermine Emilie Jakobeck *04.02.1867 Schöneberg bei Driesen, Friedeberg, Neumark, Brandenburg,
+ 30.09.1900 Glashütte, (Eltern Casimir Jakobek *1836 Schneidemühlchen (Pilka) und Marie Louise Auguste Graß *1842, + vor 1892 Schöneberg,
00 2) 16.02.1901 Glashütte, Martha Louise Anna Hunger (Großcousine von Hermann) 
*13.09.1878 Glashütte, + 1930 Glashütte, Vater Berthold Albert Hunger und Franziska Bark aus Glashütte,
beiden haben 4 gemeinsame Kinder



Ev. Kirche Eichberg. Eichberg war ein adeliches Dorf und seinerzeit 34 Feuerstellen, nahe der alten Heerstrasse von Filehne zu Stadt Schlope,




8)
Kinder von Hermann und Bertha:

Ida Hedwig * 09.10.1892 Glashütte, 00 1915 Glashütte, Max Eduard Mielke, *25.05.1891 Selchowhammer,
Ida Louise *28.09.1893 Glashütte, + 27.05.1953 Rüdersdorf bei Berlin, beerdigt Kolonistenfriedhof,
00 1) 25.07.1920 Glashütte, Paul Adolf Johannes Zapik, *22.08.1892 Corda,  + 14.06.1924 Landsberg,Warthe,
Krankenpfleger im 1. WK, dann Eisenbahnarbeiter, starb an Lungenkrankheit, 
00 2) 07.04.1934 Kreuz, Daniel Herold, *1882 Klöstitz, Bessarabien, + 1959 Rüdersdorf s.o.
Heiratseintag # 18, Zeuge Johann Herold, 56 Jahre aus Kienwerder und Karl Wendland 45 Jahre aus Kreuz, AufgebotsNr.13, Abschrift aus dem Hauptregister,
Otto Hugo *15.10.1894 Glashütte,
Georg Hermann *21.01.1896 Glashütte, + 24.12.1898 Glashütte,
Emil Reinhold *7.1898 Glashütte, 23.12.1898 Glashütte,
Olga Frieda *20.8.1899 Glashütte,
Artur Bruno *30.09.1900 Glashütte, + 19.01.1901 Glashütte,

Kinder von Hermann und Martha Louise Anna :

Gustav Albert *30.1.1908 Glashütte, + 10.11.1975 Fredersdorf bei Berlin,
00 1934 Kreuz, Johanna Öckert, *1913 Klein Lubs, (haben 2 Kinder),

Wilhelm Herman * 03.02.1908 Glashütte, + 16.04.1909 Glashütte,
Margarethe Charlotte Johanna *24.05.1910 Glashütte,

Hugo *28.02.1912 Kreuz, + 13.05.1961 Spiekershausen, Niedersachsen,


Sie kamen als Kolonisten, lebten meist als Landwirte, seit Beginn der Industriealisierung auch als Arbeiter, durch Errichtung des Eisenbahnknotenpunktes als Eisenbahnarbeiter (Schaffner, Gepäckträger usw.). Spätestens nach Kriegsende 1945 haben alle die Heimat verlassen.


Erst Huta, dann Glashütte, dann Huta Szklana. Adeliches Dorf mit seinerzeit 33 Feuerstellen, nebst ev. Kirchenfiliale zu Eichberg, an der alten Poststrasse nach Driesen/Neumark.





In Deutschland kam am 01.07.1922 ein Ostmarkengesetz zum Abschluss, das eine neue Provinz mit der Bezeichnung "Grenzmark Posen-Westpreußen" aus der Taufe hob. Der Oberpräsident war in der kleinen Stadt Schneidemühl angesetzt. Dieser Provinz war nur ein sehr kurzes Leben beschieden und sie wurde am 01.10.1938 wieder aufgelöst.

http://www.netzekreis.de/

http://www.akrantz.pl/abwanderung.htm

http://www.ostbahn.eu/html/krzyz_pila.html

http://www.ostbahn.eu/html/gorzow_krzyz.html





Die Netze



Buch: Parochia Kottnensis, Das Untertanenbuch der Herrschaft Filehne vom Jahr 1742 von Peter von Gebhardt, Sonderdruck Grenzmärkischer Heimatblätter, 1. Teil 1930

Evangelisches Gemeindeblatt Ostbahn-Glocken für die Ortschaften Busch-Lukatz, Drage-Lukatz, Dratzig, Groß- und Klein Lubs, Kienwerder und Kreuz 1915:
29.08.1915 bei herrlichem Sommerwetter Gottesdienst auf dem Markplatz zum Andenken an die Schlacht von Tannenberg. Vereine waren mit Fahnen erschienen.
01.10.1915 Unsere Waffenbrüder im Felde, das Eiserne Kreuz erhielten der Fiselier Paul Hunger, Wehrmann August Jabbusch, Vizefeldwebel Fritz Teske, Landstrummann Gustav Teske, Krankenpfleger Fritz Zapik, Gefreiter Otto Zapik, Musketier Paul Zapik, Kanonier Alfred Zapik.

Eingezogen wurden aus Kienwerder : Emile Bläsing, Hugo Hunger und Kantor Zarbock.
Den Heldentod starben Lehrer Hahn, Hugo Hunger 12.11.1914 in Frankreich.


Mittwoch, 11. Januar 2017

Auswanderung Familie Seyfried und Kyre aus Loffenau, Baden, Deutschland





 

Im Landesarchiv Baden-Württemberg/Hauptstaatsarchiv Stuttgart, findet man den Eintrag des Klosteramtes Herrenalb (Bestand Nr. A 489 L Bü 35) der Auswanderung im Jahr 1783:

"Auswanderung der Samuel Friedrich Seyfrid, Joseph Zimmermann, Jacob und Christoph Kyr aus Loffenau sowie der Christoph Kueller und Mattheus Schefer aus Neusatz nach Österreich und Polen"

Wildbad (heute Bad Wildbad) und Loffenau liegen unweit von Herrenalb (heute Bad Herrenalb) südlich von Pforzheim.

Ein Martin Seyfried *1612 starb 1663 in Wildbad, ein Johann Martin *1652 Wildbad, hatte zahlreiche Nachfahren.

In alten Kirchenbucheintragungen von Loffenau ist die Familie Kyre vor 1670 vermerkt. Heimatforscher erwähnen, das der Familienname aus Schweden stammen könne (durch den 30 jährigen Krieg möglich). Später wurde der Name wegen seiner Fremdartigkeit als Kyrin, Kiery, Kühry usw. verändert.

In Loffenau erwähnt:
Die Auswanderung unserer Landsleute in so großer Zahl hatte ihre Gründe: Wirtschaftliche Not in der Heimat, harte Zehntlasten, Mißernten, Frohnden, Gemeindienste, Erbteilung, Arbeitslosigkeit, Kriegsnöte, Revolution und Inflation. Nachstehende Namen sind ausgewandert: Ablidauer, Albar, Adam, Bertsch, Braun, Dorn, Geßler, Grau, Grimm, Großhanns, Hecker, Herb, Kellner, Klenk, Kyre, Lehmann, Luft, Mahler, Mangler, Meermann, Merkle, Möhrmann, Müller, Römmele, Seeger, Stein, Stickel, Stückel, Streeb, Sturm, Treiber, Volz, Walz, Wildner, Zeltmann, Zimmermann, Zollmann.

Die erste Generation in Reichsheim:


Samuel Friedrich Seyfried, *1740 Wildbad (Bad), Vater Egidius,
00 1767 Loffenau, Anna Maria Kyr (in) *1741 Loffenau, + Reichsheim,
Vater Mathes Kyre *1670 Loffenau, + 1714 , Mutter Maria Catharina Kuntzmann,

Kinder:
Johann Adam *1768 Loffenau,
Maria Catharina Margaretha *1770 Loffenau, + 1822 Padew,
00 1788 Reichsheim, Johann Philipp Kurz *1767 Schwetzingen,
Philipp Jacob *1778 Loffenau,
Christian Friedrich *1780 Loffenau, + 1839 Reichsheim, 00 Catharina Gimpel,
Catharina *1806 Reichsheim, + 1848 Reichsheim,
Carl *1810 Reichsheim, 00 Maria Schmied *1813,
Georg Franz *1812 Ostrowy,


Reichsheim:








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Sonntag, 8. Januar 2017

Familie Heinrich, 1949 - 1989 in Buchholz, Serwest, Barnim, Deutschland



Mein Großvater Andreas Heinrich besuchte nach seiner Heimkehr aus der Gefangenschaft 1949 gelegentlich seine Geschwister mit ihren Familien, die nach Ende des zweiten Weltkrieges geflüchtet und nun im niederen Fläming lebten. Das war glücklicherweise nicht so weit von Saarmund, wohin es meine Großmutter 1945 nach der Flucht hinverschlagen hatte. Großvaters Geschwister wussten, dass er im Gegensatz zu meiner Großmutter nicht in Saarmund bleiben wollte, denn sein Wunsch nach einem erneuten eigenen Hof war sehr groß.

Eines Tages erzählte ihm eine Nichte, dass eine Siedlerstelle in Buchholz bei Serwest frei geworden wäre. Der Eigentümer war in den Westen geflohen. 

Buchholz, die ehemalige Gutssiedlung, die im 13. Jahrhundert zum Domänenamt und Kloster Chorin gehörte, hatte ehemals ein Vorwerk und betrieb eine größere Schäferei. Dann lag es teilweise wüst. Seit 1860 gab es eine Kartoffelspritbrennerei. Das Gut gehörte 1949 Herrn Lindenberg. Seine Gattin war bereits verstorben. Sie hatten zwei Töchter. Die ältere heiratete einen Herrn Hohenholz. Die Ehe blieb kinderlos. Zu dem Gutshaus gab es einen kleinen Friedhof auf der Anhöhe. Der Ort selbst lag fernab der Hauptstrasse.

1949 lebten dort die Familien Beuster, Finow, Friedrich, Gottschalk, Hopke, Jäger, Jesse, Jonas, Kallm(n)bach, Krause, Kluge, Kressin, Lange, Litkowski, Orlowski, Peters, Runnewitz, Syska, 
Warnow 2 Familien, Wolter, Zickesch.

Viele davon waren Flüchtlinge, Integration fiel deshalb leicht. Niemand fragte woher man kam .

Im Herrenhaus lebte auch der alte Schäfer, unter dessen Fenster eine Bank stand. Hier war zudem eine Rampe und eine Linde. Es war der Treffpunkt der Dorfjugend und der Schäfer kippte Wasser aus dem Fenster, wenn es ihm zu laut wurde.

Es gab die Brauerei, kurzfristig einen Konsum - ging dann nach Serwest, 1 Haus mit 4 Familien, 4 Schnitterhäuser aus rotem Stein mit eigenem Hauseingang, insgesamt wohl 13 Häuser. Die evangelische Kirche und die Schule waren in Serwest. Dorthin liefen die Kinder täglich bei jedem Wetter zu Fuß.

Mein Großvater bewarb sich um diese Siedlerstelle in Buchholz und wurde genommen. Allerdings war das kleine Bauernhaus noch im Rohbau ohne Dach, so daß man noch nicht einziehen konnte. Deshalb kam die Familie im Februar 1949 erst im Herrenhaus im 1. Stock unter. Die ehemalige Herrschaftsküche war im Keller. Hier wurde z.B. Sirup gekocht. Frau Hohenholz war so freundlich meiner Oma Geschirr zu schenken.




Dann wurde eine Wohnung in einem Schnitterhaus in der Nähe des Rohbaues frei und Heinrichs zogen um und blieben dort, bis das eigene Heim fertig war. Aber das dazugehörige Feld musste gleich bestellt werden und die Heinrich Kinder mussten egal welchen Alters sofort auf dem Feld helfen.






Heinrichs hatten 5 Kinder, welche nach der Schule sofort helfen mussten und kaum Zeit zum Essen hatten, geschweige denn zum spielen. Meine Mutter war die Älteste und ging von Februar 1949 bis Mai 1949 in die Schule in Serwest. Es gab dort zwei Klassen : 1.-4. und 5.-8. Klasse. Ein Lehrer hieß Wagner. Er wollte später das Mutti in die FDJ eintritt und in Angermünde in seinem Büro arbeitet, denn er war neben dem Beruf des Lehrers auch FDJ Leiter.









Mit 14 Jahren war Schulende und sie sollte auf Anraten des Pfarrers und des Lehrer schulisch weitermachen, sie kamen zu Opa nach Hause um dies vorzuschlagen, aber Opa hat die beiden rausgeschmissen und gesagt es wäre seine Entscheidung, da man sie auf dem gerade übernommen Hof unbedingt bräuchte. So übernahm sie Arbeit in Haus und Hof und besuchte in Serwest die Berufsschule. In der erhielt sie eine Urkunde für die beste Schülerin des "Lernaktives". Sie konnte ebenso wie ihr Vater sehr gut rechnen.



 


Mit Gründung der LPG'S ab 1952 als "freiwilliger" Zusammenschluss von Bauern veränderten sich die Lebensumstände drastisch. Die Eigentümer durften zwar auf Grund- und Boden verbleiben, als Verschärfung folgte dann die Zwangskollektivierung. Mein Großvater war auch ein anerkannter Fleischbeschauer und konnte sehr gut rechnen. Er soll als letzter in die LPG eingetreten sein mit der Bedingung, das meine Großmutter nicht mehr mit auf das Feld mußte. Auch er erhielt eine Urkunde für die Prämierung der Tiere. Die Zeitschrift der Freie Bauer wurde sorgfältig als Toilettenpapier zerschnitten und fand so die bestmögliche Verwendung.




Herrn Lindenberg, der als Gutsherr sehr viel zu verlieren hatte, ging mit seinem Stock auf die Felder und schrie seinen Ärger und seine Wut über die Enteignung hinaus. Er starb wohl 1950.






Im Januar 1953 ging sie in Angermünde mit Freundin Lilo tanzen, diese hatte die Hand verbunden. Mein Vater war zu dieser Zeit in Pinnow stationiert und wollte erst Freundin Lilo zum tanzen auffordern, so forderte er aber meine Mutter auf. Im April 1953 hat mein Vater dann meine Mutter und ihre Freundin Lilo in Buchholz zum tanzen abgeholt und im April 1954 haben meine Eltern in Serwest geheiratet.

Nun erlaubte mein Großvater auch, dass meine Mutter einer anderen Tätigkeit nachging. So kam sie im Juni 1953 zur Zentralstelle für Tierzucht in Eberswalde als Leistungsprüferin. Sie testete einmal die Woche den Fettgehalt der Kuhmilch (3,5 %) und erstellte den Ertrag der Kühe. Das Labor war in Chorin und sie fuhr z.B. im Dunkeln im Winter, selbst wenn Eis lag, mit dem Fahrrad an die verschiedenen Stellen. Die Büroarbeit erledigte sie zu Hause. Ihr Bereich waren die Orte Groß-Ziethen und Senftenhütte.






Jährlich im März gab es Maskenball, Tanz in den 1. Mai und das Erntefest in Serwest, immer wurde getanzt, z.B. bei Hindenburg ein Lokal in Serwest. Jugendliche durften nicht herrein und sind durch das Fenster eingestiegen, wurden aber ausgemacht und wieder rausgeschmissen. Es gab noch ein anderes Lokal in Serwest, in dem getanzt wurde. Von Chorin kommend gleich am Ortsanfang auf der linken Seite, später vorübergehend ein Fischgeschäft. Hier war mein Großvater jeden Mittwoch nach dem Schweine taxieren eingekehrt. Wenn er heimkam nannten die Kinder das "am Mittwoch ist der Himmel blau". Mutti ging mit 16 Jahren das erste Mal dort zum Tanzen.

Mein Vater war verarmt, aber meine Mutter hatte in kurzer Zeit 2000 Mark angespart, wovon sie u.a. das Hochzeitskleid und ein paar Stiefel bezahlen konnte. Das Kleid nähte eine Dame aus Serwest. Als Mitgift bekam sie 3000 Mark, da sie in den langen Jahren zu Hause ohne Lohn gearbeitet hatte.

Ihre 3 Brüder lernten später Handwerksberufe in Britz im Eisenwerk, mussten täglich 3 km zum Bahnhof in Chorin, die einzige Schwester ging als gute Schülerin nach Joachismtal in's Internat, wo sie ihren späteren Mann kennen lernte.










































Nach der Verheiratung meiner Mutter 1954 war sie gelegentlich in Buchholz bei zu Besuch. Als wir Ende 1959 nach Westdeutschland flüchteten, war der erste Besuch in Buchholz 1967, der zweite 1973/4, der dritte 1983. Weitere dann erst wieder nach 1990.

Mein Großvater verstarb im Dezember 1989 und hat die Grenzöffnung kaum mehr realisiert. Meine Großmutter verstarb in den 90ern. Sie wurde vorher wieder als Eigentümerin für den Hof eingetragen, aber keiner der Kinder hatte Interesse diesen zu übernehmen. Alle 5 hatten eine unangenehme Erinnerung an die Zeit in Buchholz. Sie fühlten sich dort nie zu Hause, erzählten stets von Saarmund. So wurde der Hof verkauft. Ich möchte ihn so in Erinnerung behalten, wie ich ihn in den 90ern zuletzt sah.



spree_kind@web.de


Samstag, 7. Januar 2017

Grafschaft Erbach im Odenwald, Hessen, Deutschland

Die Grafen von Erbach, ein rheinfränkisches Uradelsgeschlecht waren Ministerial, die das Amt des Vogtes der Abtei Lorsch innehatten. Die alte Stammburg aus dem 12. Jahrundert war ein Wasserschloss in Erbach. Sie waren 1226 Schenken von Erbach und später unter Churpfälzischer Oberhoheit. Der aktuelle Wohnsitz ist das Schloss Erbach in Erbach und Schloss Fürstenau im Odenwald.

1532 folgte die Erhebung in den Reichsgrafenstand und damit in den Hochadel, 1544 wurde die Reformation eingeführt. Die Landschaft ist gebirgig, aber fruchtbar. So war die Landwirtschaft der Haupterwerbszweig. Später kamen die Gewinnung von Eisen und Marmor dazu, weshalb 1761 viele Bergbauspezialisten aus dem Erzgebirge, der Steiermark und Tirol - auch katholischen Glaubens, angeworben wurden. Zentrum der Grafschaft war Michelstadt.








Die Massenauswanderung aus Südwestdeutschland im Jahr 1709/1710

Durch die verschiedenen extrem schlechten Bedingungen in ihrer Heimat, sahen sich mehr als 32.000 Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die nicht enden wollenden Kriege, ständige Truppenpräsenz von Feinen, den Jahrhundert Winter 1708/9, ständiges Wechseln der Herrschaften u.m. ließen die Bevölkerung verzweifeln.




Die britische Krone, Queen Ann,  unterstützte eine Auswanderung von Lutheranern und verteilte in Südwestdeutschland Broschüren mit dem Bild der englischen Königin und der Zusage von Unterstützung.




Per Schiff von Landungsstellen am Rhein ging es nach Rotterdam, dann weiter nach England. England hatte nicht mit diesem großen Andrang von Menschen gerechnet und war schnell überfordert. Dies löste sogar eine Regierungskrise aus. Im Mai 1709 waren bereits über 6.500 Menschen angekommen. Es gab einen zunächst einen Plan, sie in der Grafschaft Kent anzusiedeln. Der Plan kam nicht zustande und die Menschen campten bei London und wurden jede Woche mit der Ankunft der Schiffe mehr und mehr. In Deutschland wurde nun bekannt gegeben, dass niemand mehr angenommen werden würde. Angekommene Katholiken, die laut Landesgesetz nicht bleiben konnten, wurden mit Reisegeld zurück nach Deutschland versehen und zurückgeschickt. Die bleibenden hatten mittlerweile ihre Reisemittel aufgebraucht und saßen mittellos und handlungsunfähig fest. So wanderten auch Lutheraner mit eigener Kraft über Rotterdam zurück.







Die Regierung schickte die Leute nach Jersey und Irland weiter. In Irland über Dublin wurden sie auf verödeten Gütern angesetzt. Dies waren ca. 500 Familien mit 3.000 Personen, die späteren Irlandpfälzer. 850 Familien konnten 1710 nach New York weiter. 17.200 Menschen verstarben vor der Verteilung.







Statistiken sagen, dass die lebenden
8.600 Menschen aus der damaligen Kurpfalz,
2.400 Menschen aus Hessen-Darmstadt,
1.100 Hanau-Münzenberg, Isenburg, und Wetterau,
0.700 Frankenland,
0.500 Grafschaft Erbach
0.400 Eslaß,
0.300 Markgrafschaft Baden,
u.a.

Dies alles löste eine Debatte der Einwanderung in England aus. Einige wollten den Protestantismus in Irland stärken.

Die Amerikawanderer kamen über New York, wo einige in New York Citiy verblieben, andere gingen in Barackencamps an den Hudson. Einige gingen nach Carolina, wo sie für die Silberminen angeworben wurden. Über all dies gib es diverse Veröffentlichungen.