Samstag, 3. März 2018

Deutsche Tuchmacherfamilie Heckendorf an der südlichen Weichsel, Polen

Nachdem Fremde im 18. Jahrhundert, die Gruppe der Mennoitischen Holländer - südlich von Warschau angesetzt wurden und diese überwiegend weiterzogen, da ihre Pachtverträge beendet waren.

http://holland.org.pl/index_en.htm

Um 1800 links der Weichsel die Tuchmacher zwischen Magnuszew fast bis Pulawy, es folgten die Mecklenburger und kurz darauf die Niedrunger, ein Mix aus Holländern und Friesen, Deutsch Pommeranen und Weichseldeutschen aus Westpreußen, welche links und rechts der Weichsel siedelten.




So war die wohl letzte nennenswerte Zuwanderung rechts der Weichsel ab 183x durch viele Westpreußen aus dem Thorner Raum beendet. Es gab ohne Unterbrechungen einen großen Austausch zu ihren Verwandten im Norden. Beim Lesen diverser Kirchenbücher fand ich nur eine einzige Mennoitenfamilie genannt. Selbst wenn Anwerber der Mennos wie ein Herr Penner genannt wurde, für seinen Glauben warb, hatte er wohl keinen ausreichenden Erfolg.
Keine Beachtung finden hier die Schwabendörfer aus der Südpreußischen Zeit, auch wenn sie der Grund für die Entstehung der ev. Kirche Pilica waren. Es fanden sich keine wesentlichen Verbindungen zu den Menschen, die direkt an der Weichsel lebten zu den Menschen aus den Schwabendörfern. Wie bereits oben beschrieben, war der Zusammenhalt eher mit den eigenen Leuten um Warschau, aber auch Thorn.

Forschungsgundlage sind die katholischen Kirchenbücher Magnuszew, Minszew, Kozienice links der Weichsel und das spätere ev. KB Pilica sowie Familiendokumente. Zudem einige Besuche in Warschau, Radom und Lublin. 

Die Region südlich der Weichsel wurde bis dato kaum beachtet, da sie zahlenmäßig nicht so auffällig ist wie die Gegenden nördlich von Warschau. Bis auf die Tuchmacher, lebte man als Fischer auf den Kempen, von der Viehwirtschaft und dem Obstanbau, vermählte sich untereinander und war somit oft mehrfach verwandt, damit alles in der Familie bleibt, wie mein UrUrgroßvater sagte. Sprachlich war deutlich ein gerolltes R zu hören und der Einfluß des Flämischen sowie des Mecklenburgischen vorhanden. 

Schon früh zwischen 1810 und 1820 begann eine Weiteranderung nach Bessarabien und Wolhyien, aber auch Rückwanderung nach Mecklenburg. 

Es gab mehrere kleine Tuchfabriken, für Heckendorf war der Direktor ein Jan Jahnke, dessen Sohn wurd 1810 geboren, weitere Kollegen waren Gottlieb Reichelt, Gerbermeister, verheiratet mit Katharina Simon, Tochter Eleonore kam 1810 in Magnuszew zur Welt sowie den jungen Martin Orlowski, ein Tuchmachermeister, verheiratet mit Marianne Ritter, der erste Sohn Wilhelm wurde ebenfalls 1810 in Magnuszew geboren.



                                                        HECKENDORF

Lt. Kirchenbucheintrag sind die Heckendorfs aus "Dworskim" gekommen, gemeint sein könnte damit Pommern oder nördlich von Warschau, die Gegend um Nowy Dwor.

1) Martin Heckendorf *1756 aus "Dworskim", wird im Raum Magnuszew, südlich von Warschau, direkt an der Weichsel ansäßig. Der erste Eintrag im kath. Kirchenbuch von Magnuszew ist 1814 + 1815 für Kępa Skórecka, dann 1817 beim Tod seiner Frau Julianna geb. Jastrowsy, evtl. Zastrow. 
1811 heiratet ein Johann Michael Heckendorf im KB Grabow nad Pilica, praktisch um die Ecke, eine Anna Sonnenberg aus Chync. Einträge über Heckendorf  und andere finden sich auch im kath. Kirchenbuch von Minszew, hier wurden viele Einträge der Anwohner, die als Lutherander später in das 1837 neu gegründete ev. Kirchenspiel Pilica wechselten. Die seit 1650 in Warschau bestehende ev.augsb. Kirche war zu weit entfernt. Wer in die Hauptstadt reisen wollte, tat dies meist per Kahn mit den Obstlieferanten für den Markt in Warschau, der die Produkte aus der ausgesprochenen Obstregion sehr schätzte, auf dem Hinweg unterstützt durch die Strömung

https://www.google.de/search?q=K%C4%99pa+Sk%C3%B3recka&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiw5t-ssc_ZAhUEI1AKHQiKAlcQ_AUICygC&biw=1279&bih=694#imgrc=q-knxWXSyHcgiM:








Tod von Julianna :







Was macht Heckendorf auf Kępa Skórecka, direkt an der Weichsel, gebeutelt von Überschwemmungen, verlassen von den ehemaligen holländischen Siedlern, die mit Deichbau und Milchwirtschaft beschäftig waren?

Das war wohl eine politische Entscheidung der damaligen Regierung, die sich von Im- und Exporten im Tuchhandel unabhängig machen wollte, um den östlichen Raum auf kurzem Wege bedienen zu können. Heckendorf war Tuchmacher. Für dieses Handwerk benötigt man unbedingt die Nähe zum Wasser für Leineweber und Gerber. Im niederliegenden Magnuszew wurde eine Fabrik gegründet, die Menschen auf den Kepa's arbeiteten auf selbstständiger Basis mit ihren Familien zu. Dies erklärt auch die verstärkte Ankunft vieler neuer jüdischen Familien. Es dürften Zugänge aus der Gegend von Kolmar und Neuhof bei Warschau gewesen sein, die einen Niedergang ihrer Tuchindustire erleben mußten.
Die heutige kath. Kirche von Magnuszew: 


2) Martin jun, geb. vermutlich 1785, heiratet in erster Ehe etwa 1810 Juliann Jaster/Just. Martin war Tuchmacher im Haus Nr. 23 in der "Stadt" Magnuszew. Auch in Magnuszew haben sehr viele nicht in der Fabrik, sondern von zu Hause aus gearbeitet. Das Paar hatte zwei Töchter, beide genannt Rosalia. Die erste Rosalia wurde 1811 geboren, verstarb aber bereits 1814 im Haus in Magnuszew. Zeuge im Kirchenbuch für den Todeseintrag war David "Diko". Die zweite Tochter Rosalia wurd 1815 geboren, Zeugen Jan "Fuxa" und Friedrich "Krymla".


Vermutlich ist Julianna sehr früh verstorben, denn Martin jun. zweite Ehe war 1821 im kath. Kirchenbuch von Mniszew mit der aus Sambodzia stammenden Elisabeth Siegel. Aus dieser Ehe gingen mehrere Kinder hervor:

Martin III *1821 00 Eva Sonnenberg, Friedrich Wilhelm *1824, Rosalia *1825, +1826 (läßt vermuten das auch die zweite Rosalia aus der ersten Ehe verstorben ist ), Anna Rosalia *1828 00 Johann Arendt, Karl *? 00 Marianne Gaede. Die Kinder wurden in Gruszczynska geboren.


Elisabeth Siegel 00 Heckendorf verstarb bereits 1839, ihr Todeseintrag war der erste Eintrag im neu gegründeten ev. Kirchenbuch von Pilica. Zeugen Michael Pankratz, Georg Naber, Martin Siegel, Gottlieb und Marianna Kohls.
 

Alleine schon bedingt durch die vielen minderjährigen Kinder entschloss sich Martin umgehend ein weiteres Mal zu heiraten. So wurde 1839 im KB Pilica die Ehe mit Maria Elisabeth Leiszner/Leischner geschlossen. Sie wurde 1821 in Wolka Sladowskie nördlich von Warschau geboren und lebte 1839 mit ihrer Familie in Kepa Celejowska. Trauzeugen waren Michael Pankratz, Georg Naber, Martin Siegel, Gottlieb und Marianna Kohls. 

Da das Kirchenbuch Pilica aus ungeklärten Gründen nur sehr lückenhaft vorhanden ist, konnte ich aus dieser Ehe nur Ludwig, geboren 1841 in Wólka Gruszczyńska finden. Ludwig verstarb später in Sobinie bei Otwock, hier kommen mehrere verschiedene Sobinie Ableger in Frage. Es soll dort ein Krankenhaus gegeben haben. Anfragen an verschiedene Behörden blieben unbeantwortet. Ludwig war verheiratet mit einer Regina Müller, auch sie ist in Sobinie verstorben. Ihr Geburtseintrag und die Heirat, um 1864, konnte ebenfalls noch nicht gefunden werden. Bei Anfragen über Warschau wurden mir zwar die Zuständigkeiten erläutert, aber die Ämter waren nicht kooperativ und antworteten nie. Ok, wie auch immer.
(Es handelt sich bei Ludwig Heckendorf und Regina Müller um meine direkte Linie. Das Paar hatte 11 Kinder, von denen mir nur 4 bekannt sind: 
 1) Meine UrUrOma Eufrosine Heckendorf *1866 Podole, Wilga, rechts der Weichsel, +1930 Cichostow/Lublin , 00 ca. 1889 Jan/Johann Jetz *1867 Tatarczysko bei Podole,  + 1938 Cichostow, Lublin. Siehe Blogg über Jetz.
 2)Erna *1870 Polcewicz, + ?, 00 15.5.1904 Pilica, Christian Jetz *8.1.1870 Kepa Podwierzbianska, + 25.7.1942 Labens, Regenwalde, Pommern, 
 3) Pauline *8.4.1878 Wicie Wschodnie, Garwolin, 00 Gottlieb Neumann *1875 Wicie Wschodnie, + Russland. 
 4) Ludwig jun. 00 Pauline Schendel, zwei ihre Kinder gingen etwas 1925 nach Canada.)

Auch Maria Elisabetha verstarb viel zu früh, den 1850 ging Martin eine vierte Ehe ein mit Elisabeth Maron *1820, aus dieser Ehe stammt Elisabeth *1851  Wolka Gruszczynska, eingetragen vom ev. Pfarrer Karl Wilkner für Pilica.
2) Michael, vermutlich *1789, Tuchweber 1817 in Magnuszew und 1819 auf Kępa Skórecka, heiratete Anna Kristine Brozowny (?). Sie hatten einen Sohn Johann Michael *1819 Magnuszew,  Zeugen Martin Orlowski, 52 Jahre und Gottlieb Reichelt/Rychelt. Johann Michael 00 1843 Pilica, Eufrosina Mann *1819. Bekannt als Kinder von Johann Michael und Eufrosina sind Samuel *1852 Kępa Skórecka und Karl Ludwig auch später Kasimir *Wolka Gruszczynska 00 1874 Bronislawow, Lublin, Karoline Düsterhöft. 

Johann Michael *1819 ging eine zweite Ehe ein mit Marianna Mittelstädt, sie bekamen eine gemeinsamte Tochter: Kristine, sie wurde die zweite Frau von Wiwer Johann Kurzrock.

2) Kristine *vermutlich 1790, + unverheiratet 1850 Wicie,
    Zeugen: Peter Hein aus C und Daniel Barz aus Zarkzew.

2) Dorothea *vermutlich 1794, ehelicht 1821 in Magnuszew, Karl Kuhn (Köhnen), Beruf Barbier, Vater Wilhelm, Zeugen Samuel Lauterbach, Friedrich Krymla , 57, Martin Neubauer , 28, Jakob Natzer. Dorothea lebte zu dieser Zeit auf Kępa Skórecka.


In einem späten polnischen Bericht, werden u.a. über diese Gruppe Namen genannt:
http://wegrzynek.cba.pl/koloni-ci-.html#Kotwica2
Notiert aufgrund meiner Forschungen habe ich an frühen Namen z.B.: 
Adam, Altmann, Arendt, Barabas, Bartz, Bärwald, Becker/Bekier, Blech/Bleich, Bloch, Bombach, Boss/Busse, Brandenburg, Braun, Brokopf, Buchholz, Conrad,  Daft, Dalmann, Dase, Drews, Egiert, Erdmann, Ernstdorf, Feld, Feller/Teller, Fengler, Fenske, Flemke, Friedrich, Friedland, Gatzke, Gertz/Gierc, Getz/Jetz, Gottlieb, Gran/Grahn/Kran, Hammermeister, Heckendorf, Heimann, Hein, Henke, Heise, Hering, Hoffmann, Hohensee, Ittermann, Jabs/Jobs, Janke, Jantz, Jetz/Jatz/Jac, Klammer, Klatt, Kletke, Koch, Kohls/Kuhls, Krampitz, Krebs, Krentz, Kröning/Greening/Krenik, Krieger/ Krüger, Kuhn/Kühn, Kurzrock, Ladwig/Ladzig, Lange, Lau, Leischner, Lemke, Lilge, Manke, Mandau, Manthei, Maron, Matz, Mielke, Müller/Miller, Naber/Nober, Nass/Nacer, Netzel, Neugebauer, Neumann, Otto, Pansegrau, Pekruhl, Peter, Pohl, Pohlmann,  Pollnau,Ratz,  Redmann, Reimann, Reichelt, Richert/Rychert, Richter, Rinas, Rindfleisch, Ristau, Rode, Rosenfeld, Rossol, Sach, Schlag, Schmeichel, Schneider, Schönfeld, Schmidt, Schultz, Seidens, Siebert, Siegel, Simon, Sorgert, Streibel, Taube/Tauber/Tober, Treichel, Wehrmann, Weiss/Wyss, Werner, Winter, Wrobel, Zielke, Zimmer/Cyma/Tymer/Szymer, Zimmermann, Zissmann/Cisman.
 
Meine direkte Linie setzten sich um 1900 im Lubliner Raum an, aber durch dortgebliebene ist bekannt, dass 1915 die Länderein deutscher Landwirte unter polnische Verwaltung gestellt und die deutschen Familien nach Russland deportiert wurden. Viele wehrfähigen Männer wurden erschossen, die Frauen und Kinder zur Arbeit herangezogen, meine Familie kam in den Raum Ufa. Viele Kinder wurden in Russland geboren, andere sind dort verstorben. Nach Kriegsende fand nicht jede Familie wieder zusammen oder kam zurück in die meist niedergegangenen Orte sondern gingen sofort nach Litauen, Preußen oder weiter nach Nord- und Südamerika.

Unter Zwangsverwaltung 1915 Kreis Garwolin

1. Nober, Gottlieb, Podole Nowe, Gem. Wilga.
2. Fenske, Wilhelm, Erben, Podole Nowe, Gem. Wilga.
3. Uniewski, Emil, Podole Nowe, Gem. Wilga.
4. Uniewski, Hermann, Podole Nowe, Gem. Wilga.
5. Venske, David, Podole Nowe, Gem. Wilga.
6. Ratke, Daniel, Podole Nowe, Gem. Wilga.
7. Kelm, Gottlieb, Podole Nowe, Gem. Wilga.
8. Rosenfeld, Jakob, Podole Nowe, Gem. Wilga.
9. Treichel, Julius, Podole Nowe, Gem. Wilga.
10. Polnan (Polnau?), Gottlieb, Podole Nowe, Gem. Wilga.
11. Naber, Gottlieb, Podole Nowe, Gem. Wilga.
12. Streibel sen., Gottlieb, Podole Nowe, Gem. Wilga.
13. Streibel jun., Gottlieb, Podole Nowe, Gem. Wilga.
14. Henke, Julius, Podole Nowe, Gem. Wilga.
15. Polnan, Jakob, Podole Nowe, Gem. Wilga.
16. Traichel, Julius, Podole Nowe, Gem. Wilga.
17. Rychert, August, Podole Nowe, Gem. Wilga.
18. Krempe, Johann, Podole Nowe, Gem. Wilga.
19. Dobelaw, Emil, Podole Nowe, Gem. Wilga.
20. Schlag, Michael, Podole Nowe, Gem. Wilga.
21. Tober, Karl, Podole Nowe, Gem. Wilga.
22. Witt, Ludwig, Podole Nowe, Gem. Wilga.
23. Peter, Rudolf und Gregor, Podole Nowe, Gem. Wilga.
24. Rosenfeld, Gottlieb, Podole Nowe, Gem. Wilga.
25. Rynas Heinrich, Zakrzew, Gem. Wilga.
26. Rychert, Johann, Erben, Zakrzew, Gem. Wilga.
27. Rychert, Johann, Erben, Zakrzew, Gem. Wilga.
28. Rynas, Johann, Zakrzew, Gem. Wilga.
29. Hilbrecht, Michael, Zakrzew, Gem. Wilga.
30. Boss, Jakob, Podole Nowe, Gem. Wilga.
31. Hilbrecht, Eduard, Podole Nowe, Gem. Wilga.
32. Boss, Michael, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
33. Neumann, Wilhelm, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
34. Boss, Michael, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
35. Krempie, Susanne, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
36. Glinski, Wilhelm, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
37. Betker, Gottlieb, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
38. Rosenfeld, Jakob, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
39. Rosenfeld, Johann, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
40. Pletz, Leopold, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
41. Fenske, David, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
42. Schlag, Christian, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
43. Glinski, Christian, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
44. Schlag, Michael, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
45. Müller, Elisabeth, Wicie Wschodnie, Gem. Wilga.
46. Schwarz, Karl, Wice Stare, Gem. Wilga.
47. Kopp, August, Górki, Gem. Wilga.
48. Kopp, August, Górki, Gem. Wilga.
49. Jabs, Samuel, Gorki, Gem. Wilga.
50. Schulz, Heinrich, Jaszecysko, Gem. Wilga
51. Wechsel, Heinrich, Jaszecysko, Gem. Wilga.
52. Dobelaw, Heinrich, Tatarczyski, Gem. Wilga.
53. Dobelaw, Jakob, Tatarczyski, Gem. Wilga.
54. Traichel, Julius, Tatarczyski, Gem. Wilga.
55. Jatz, Eduard, Tatarezyski, Gem. Wilga.
56. Zügel, Karl, Tatarczyski, Gem. Wilga.
57. Krauss, Ludwig, Tatarczyski, Gem. Wilga.
58. Lange, Samuel, Tatarczyski, Gem. Wilga.
59. Bleich, August, Tatarczyski, Gem. Wilga.
60. Peter, Gregor, Tatarczyski, Gem. Wilga.
61. Jabs, Julius, Tatarczyski, Gem. Wilga.
62. Arendt, Adam, Olnok, Gem. Wilga
63. Gutzke, Friedrich, Olnok, Gem. Wilga.
64. Kewekok, Wilhelm, Holendry, Gem. Wilga.
65. Kuls, Christian, Holendry, Gem. Wilga.
66. Kuls, Gottlieb, Holendry, Gem. Wilga.
67. Kuls, Michael, Holendry, Gem. Wilga.
68. Arendt, Adam, Holendry, Gem. Wilga.
69. Zügel jun., Ludwig, Holendry, Gem. Wilga.
70. Zügel sen., Ludwig, Holendry, Gem. Wilga.
71. Weiss, Michael, Holendry, Gem. Wilga.
72. Schlag, Christian, Kempa Celejow, Gem. Wilga.
73. Seidel, Emil, Kempa Celejow, Gem. Wilga.
74. Fenske, Johann, Kempa Celejow, Gem. Wilga.
75. Rychert, Daniel, Kempa Celejow, Gem. Wilga.
76. Mantyn, Emilie, Kempa Celejow, Gem. Wilga.
77. Hilbrecht, Heinrich, Kempa Celejow, Gem. Wilga.
78. Seidel, Eduard, Kempa Celejow, Gem. Wilga.
79. Fenske, Julius, Kempa Celejow, Gem. Wilga.
80. Bakowski, Rudolf, Wola Celejow, Gem. Wilga.
81. Teller, Albert, Polewiec, Gem. Wilga.
82. Kuls, Jakob, Polewiec, Gem. Wilga.
83. Seidens, Gottlieb, Polewiec, Gem. Wilga.
84. Jatz, Christian, Polewiec, Gem. Wilga.
85. Kuls, Adam, Polewiec, Gem. Wilga.
86. Teller, Kornelius, Polewiec, Gem. Wilga.
87. Teller, David, Polewiec, Gem. Wilga.
88. Heckendorff, Wilhelm, Polewiec, Gem. Wilga.
89. Ebert, David, Polewiec, Gem. Wilga.
90. Ebert, Karolinę, Polewiec, Gem. Wilga.
91. Roks, Johann, Polewiec, Gem. Wilga.
92. Heckendorff, Wilhelm, Polewiec, Gem. Wilga.
93. Netzel, Heinrich, Polewiec, Gem. Wilga.
94. Marchwat, Michael, Brzesce, Gem. Stenzyca.
95. Golnik, Friedrich, Brzesce, Gem. Stenzyca.
96. Glut, Michael, Brzesce, Gem. Stenzyca.
97. Predel, Ferdinand, Brzesce, Gem. Stenzyca.
98. Trachenberg, Gustav, Brzesce, Gem. Stenzyca.
99. Grau, Joseph, Brzesce, Gem. Stenzyca.
100. Brokoff, Jakob, Brzesce, Gem. Stenzyca.
101. Altmann, Ludwig, Brzesce, Gem. Stenzyca.
102. Rynas, Michael, Brzesce, Gem. Stenzyca.
103. Schmidt, Gottlieb, Brzesce, Gem. Stenzyca.
104. Altmann, Jakob, Brzesce, Gem. Stenzyca
105. Schmidt, Amalie, Brzesce, Gem. Stenzyca.
106. Rynas, Samuel, Brzesce, Gem. Stenzyca.
107. Molzan, Heinrich, Brzesce, Gem. Stenzyca.
108. Roder, Emilie, Brzesce, Gem. Stęnzyca,
109. Roder, Samuel, Brzesce, Gem. Stenzyca.
110. Rode, Daniel, Brzesce, Gem. Stenzyca.
111. Kopf, Elisabeth, Brzesce, Gem. Stenzyca.
112. Markus, Wilhelm, Brzesce, Gem. Stenzyca.
113. Rau, Emilie, Brzesce, Gem. Stenzyca.
114. Rau, Julius, Brzesce, Gem. Stenzyca.
115. Rau, Andreas, Erben, Brzesce, Gem. Stenzyca.
116. Müller, Michael, Brzesce, Gem. Stenzyca.
117. Glut, Julius, Brzesce, Gem. Stenzyca.
118. Polnowski, August, Brzesce, Gem. Stenzyca.
119. Peiter, Karl, Brzesce, Gem. Stenzyca.
120. Polnowski, Michael, Bozesce, Gem. Stenzyca.
121. Becker, Wilhelm, Brzesce, Gem. Stenzyca.
122. Schneider, Eufrosine, Brzesce, Gem. Stenzyca.
123. Süssmann, Christoph, Brzesce, Gem. Stenzyca.
124. Süssdorf, Friedrich, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
125. Süssdorf, Friedrich, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
126. Grau, Emil, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
127. Bonkowski, Georg, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
128. Romanski, Andreas, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
129. Rossel, Wilhelm, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
130. Teise, Karl und Jakob, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
131. Kuls, Gottlieb, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
132. Klettke, Karl, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie jeziory.
133. Bongard, Samuel, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
134. Bongard, Andreas, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory. '
135. Jeziorski, Michae, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
136. Retmann, Michael, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory
137. Grau, Daniel, Erben, Sobienie-Kielce, Gem, Sobienie Jeziory
138. Giekiendorf, Michael, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
139. Jatz, Georg, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory
140. Günter, Andreas, Erben, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
141. Günter, Karl, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
142. Müller, Martin, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
143. Jatz, Friedrich, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
144. Günter, Christian, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
145. Günter, Julius, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
146. Günter, Michael, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
147. Günter, Wilhelm, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory
148. Grau, Christian, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
149. Günter, Christian, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory
150. Günter, Andreas, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
151. Boss, Ludwig, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
152. Teise, Jakob, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
153. Witt, Georg, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
154. Bongard, Michael, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory
155. Bongard, Christian, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
156. Rybarczyk, Emil, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
157. Lange, Emilie, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
158. Kolm, Karl, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
159. Streloch, Friedrich, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
160. Günter, Christian, Erben, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
161. Bonkowski, Georg, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
162. Kuls, Christian, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory
163. Krause, Jakob, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory
164. Janke, Friedrich, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory
165. Roks, Julianne, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
166. Kuls, Michael, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
167. Romanski, August, Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory
168. Pelke, Joh., Sobienie-Kielce, Gem. Sobienie Jeziory.
169. Ebert, Jakob, Korczunek, Gem. Sobienie Jeziory.
170. Rynas, Adam, Korczunek, Gem. Sobienie Jeziory.
171. Günter, Andreas, Korczunek, Sobienie Jeziory.
172. Bonkowski, Karolinę, Zambrzykow-N., Gem. Sobienie Jeziory
173. Teller, Pauline, Zambrzykow-N., Gem. Sobienie Jeziory
174. Bosol, Ludwig, Zambrzykow-N., Sobienie-Jeziory.
175. Bonkowski, Karoline, Zambrzykow-N., Gem. Sobienie Jeziory
176. Bongard, Samuel, Sniadkow-Gorny-A., Gem. Sobienie Jeziory
177. Günter, Andreas, Sniadkow-Gorny-A., Gem. Sobienie Jeziory
178. Jatz, Friedrich, Sniadkow-Gorny-A., Gem. Sobienie Jeziory
179. Krause, Christian, Sniadkow-Gorny-A., Gem. Sobienie Jeziory
180. Teise, Jakob, Sniadkow-Gorny-A., Gem. Sobienie Jeziory
181. Jatz, Gottlieb, Sniadkow-Gorny-A., Gem. Sobienie Jeziory
182. Rymland, Karoline, Franzdorf, Gem. Zelechow.
183. Glinski, Nikolaus, Franzdorf, Gem. Zelechow.
184. Glinski, Wladislaus, Franzdorf, Gem. Zelechow.
185. Düsterhoff, Katharine, Franzdorf, Gem. Zelechow.
186. Brischke, Gustav, Franzdorf, Gem. Zelechow.
187. Berlin, Johann, Franzdorf, Gem. Zelechow.
188. Andrzejwski, Karl, Franzdorf, Gem. Zelechow.
189. Rymland, Christian, Franzdorf, Gem. Zelechow.
190. Reimer, Franz, Franzdorf, Gem. Zelechow.
191. Glinski, Stanislaus, Franzdorf, Gem. Zelechow.
192. Petrisch, Sophie, Franzdorf, Gem. Zelechow.
193. Reimer, Peter, Franzdorf, Gem. Zelechow.
194. Klemm, Ludwig, Franzdorf, Gem. Zelechow.
195. Schmidt, Johann, Franzdorf, Gem. Zelechow.
196. Apel, Anton, Franzdorf, Gem. Zelechow.
197. Jahn, Karl u. Wilhelm, Franzdorf, Gem. Zelechow.
198. Wagner, Rudolf, Franzdorf, Gem. Zelechow.
199. Reimer, Joseph, Franzdorf, Gem. Zelechow
200. Apel, Josef, Franzdorf, Gem. Zelechow.
201. Apel, Johann, Franzdorf, Gem. Zelechow.
202. Rymland, Karoline, Franzdorf, Gem. Zelechow.
203. Kopf, Leopold, Pilawa, Gem. Osieck.
204. Wolf, Karl, Pilawa, Gem. Osieck.
205. Liebert, Friedrich, Pilawa, Gem. Osieck.
206. Libert, Andreas, Pilawa, Gem. Osieck.
207. Krehl, Friedrich, Pilawa, Gem. Osieck.
208. Bauer, Gottlieb, Pilawa, Gem. Osieck.
209. Hermann, Johann, Ehefrau, Pilawa, Gem. Osieck.
210. Batter, Karl und Wilhelm, Pilawa, Gem. Osieck.
211. Batter, Karl, Pilawa, Osieck.
212. Betjan, Gottlieb, Pilawa, Gem. Osieck.
213. Kiesmann, Andreas, Pilawa, Gem. Osieck.
214. Nucker, Rudolf, Pilawa, Gem. Osieck
215. Gerl, Martin, Kempa-Radzwankowska, Gem. Warscawice.
216. Boss, Wilhelm, Erben, Kempa-Radzwankowska, Gem. Warscawice.
217. Streloch, Friedrich, Kempa-Radzwankowska, Gem. Warscawice.
218. Borau, Jakob, Kempa-Radzwankowska, Gem. Warscawice
219. Boss, Paul, Warszowka I, Gem. Warscawice.
220. Boss, Eduard, Warszowka I, Gem. Warscawice.
221. Boss, Karl, Warszowka I, Gem. Warscawice.
222. Gogense, Michael, Warszowka I, Gem. Warscawice.
223. Posluszny, Stanislaus, Janopol, Gem. Kloczew.
224. Braun, Ludwig, Janopol, Gem. Kloczew.
225. Danski, Ludwig, Janopol, Gem. Kloczew.
226. Posluszny, Andreas, Janopol, Gem. Kloczew.
227. Schmidt, Ludwig, Janopol, Gem. Kloczew.
228. Teller, Emil, Kempa-Podwierzbianska, Gem. Podlenz.
229. Teller, Michael, Kempa-Podwierzbianska, Gem. Podlenz.
230. Teller, Eufrosine, Kempa-Podwierzbianska, Gem. Podlenz
231. Juskowiak, Wladislaus, Trojanow, Gem. Trojanow.


Bei der Aussiedlung 1940 aller Deutschen die noch vor Ort waren, stellte Pfarrer Winkler im Rekord Abschriften von Tauf und Heiratsurkunden seiner Kirchengemeinde aus. Überschrift: Evangelisch-Augsburgische Kirchengemeinde Pilica, Geburts- und Taufschein, ausgestellt auf Grund der Standesamtsbücher ......

Damit zogen die ehemaligen Anwohner dann zum Sammelpunkt in Otwock um sich "Eindeutschen" zu lassen und mit den neuen Papieren meist in Westpreußen neu angesiedelt zu werden. Die originalen Kirchenbücher soll der Pfarrer persönlich mitgenommen haben. 1945 waren auch die nach Westpreußen gegangenen erneut auf der Suche nach einer neuen Heimat und so gab es zum Beispiel im Ort Gifhorn eine kleine Siedlung mit "Weichseldeutschen".


Als Ergänzung hierzu möchte ich auf meinen Blogg verweisen :

http://wwwhaplogruppe-u5-europaeu-gudrun.blogspot.de/2013/01/niedrunger-familie-jetz-getz-sudlich.html

http://wwwhaplogruppe-u5-europaeu-gudrun.blogspot.de/2012/09/




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Mittwoch, 24. Mai 2017

Familie Hunger aus dem Winkel zwischen Drage und Netze in Großpolen


Die Landschaft Großpolen (Polonia maior, Wielkopolska) bildet den historischen Kern Polens. Nach der Gründung der 1. Polnischen Republik im Jahr 1569 wurde eine Großprovinz namens Großpolen geschaffen. Wielen, deutsch Filehne, ist eine Stadt- und Landgmeinde im Powiat Czarnkowsko-Trzcianecki (Scharnikau-Schönlanke) in der polnischen Woiwodschaft Großpolen. Im Jahre 1108 wird Filehne erstmals erwähnt. Filehne war ursprünglich eine auf einer Insel in der Netze gelegene Grenzfestung der Pommern.

Die erste Besiedlung deutscher Bauern erfolgte in der Mitte des 12. Jahrhunderts, dichte Wildnis herrschte früher hier, nur wenige Siedlungen lagen links und rechts der Netze. So soll es zwischen den Jahren 1245-1395 sieben Siedlungen und drei Burgen in der Gegend gegeben haben. Es folgte weiterer Zustrom im 16. Jahrhundert durch Menschen meist niederdeutschen Stammes. Die allerwichtigste lautliche Veränderung in den deutschen Mundarten ist die sogenannte zweite Lautverschiebung. Die Linie, die Hochdeutsch und Niederdeutsch trennt, führt zwischen Driesen und Schwerin, zwischen Filehne und Birnbaum, zwischen Goslin ud Posen her, derart, dass Filehne, Obersitzko, Obornik, Goslin, Pudewitz, Kostschin, Wreschen und was nördlich davon liegt nordeutsch sind, während Schwerin, Zirke, Wronke, Samter, Buk, Posen, Kurnik, Schroda, Miloslaw und was südlich davon liegt hochdeutsch sind.

Gut Wielenskie holte im 16. Jahrhundert neue Kolonisten in die Dörfer, diese sollen aus Brandenburg, den Niederlanden und Pommern gekommen sein. In den 1580ern kamen "Oleder" in die Feuchtgebiete.

Die Art der Anlegung geschah nach Beschaffenheit des Landes und durch Gründung von Schulzen- oder Holländerdörfern. Schulzendörfer waren höher gelegen und bewaldet, z. B. Drensen, Eichberg, Grünfier, Hansfelde, Kotten und Selchow (gegr. 1580 mit 6 Kleinbauern). In ihrem Zentrum liegen der Markt und die Kirche, die Bewohner waren Lokatoren (freie Unternehmer) Eigentümer.

Die Holländerdörfer - polnisch Olandrowie, entstanden in den sumpfigen und von Fließen durchzogenen Gebieten, wie Lokacz/Lukatz im Jonnenbruch, Erbardorf, Follstein, Ludwigsdorf, Mariendorf und Neuhöfen im Netzebruch. Holländerdörfer sind langgezogene Dörfer, die erst später Dorfcharakter entwickelten. Die Männer waren in einem Hauländerstand und agierten als Gemeinschaft. Verschiedene Grundherren hatten hier Privilegien ausgestellt, welche das Verhältnis zwischen Grundherrschaft und Holländern verbriefte. Für Lutheraner gab es eine Religionsfreiheit. Die Grundstücke wurden erblich und gegen Zahlung eines jährlichen Erbzinses überlassen.

Die letzten beiden gegründeten Holländereien waren um 1700 Lukatz und 1714 Ludwigsdorf.

Nach und nach erfolgte eine Gleichstellung zu den Schulzendörfern. 1777 begann die Siedlergattung der "Holländer - Hauländer" zu schwinden. Filehne/Wielen war Verwaltungssitz und Pfarrei.

Die Grafschaft Czarnowski hatte Land auf beiden Seiten des Flusses Netze/Notec, somit war die Wanderung der Untertanen der Czarnowski's über die Netze keine Seltenheit. Sie entwässerten den ehemaligen undurchdringlichen Sumpf und gewannen weite üppige Wiesen und fruchtbare Felder einer Landschaft, die von zahlreichen Einsenkungen mit Torfmooren, Seen und Fliessen durchsetzt war. Aber es gab auch reiche Sandflora mit sandigen Höhen mit Kiefern bewachsen, während in den tiefer gelegenen, feuchten Gegenden gemischtes Laubholz wuchs.

Die Drage entspringt im Kreis Neusettin in der Provinz Pommern. Sie durchläuft mehrere Seen und kleine Fließe, bis sie am Dragekrug vorbei zwischen den Holländereien Neubelitz und Sophiendorf  auf dem Provinzialgrenzzuge in die Netze mündet.
 
Bereits in altpolnischer Zeit, im westlichen Teil der Provinz Posen im Landkreis Filehne/Wielen, lebten seit dem 17. Jahrhundert ein Teil meiner Vorfahren, die Familie Hunger.


















Maciej Hunger v. Godowski Olenderczyk

Angehöriger der polnischen Szlachta ([ˈʂlaxta]), deutsch Schlachta (althochdeutsch slahta ‚(Adels-)Geschlecht‘). Diese war der Adelsstand im Königreich Polen, später (bedingt durch die Union von Lublin) auch in der ganzen polnisch-litauischen Adelsrepublik. 


Der polnische Adel hatte in seiner Ausprägung eine Sonderstellung in Europa, vergleichbare Strukturen findet man nur in den schottischen Clans. Die Gesamtheit des polnischen Adels wird unter dem Begriff „szlachta“ (leitet sich vom Wort Geschlechter ab) zusammengefasst. In dieser Gemeinschaft findet man sowohl den verarmten Landadel, der sich kaum vom einfachen Bauern unterschied, als auch den reichen großgrundbesitzenden Fürsten, bis hin zum (gewählten) König. Jeder der in irgend einer Form Anteil an einer adeligen Besitzung (panen-guttere) hatte, oder von einem Adeligen abstammte, und keinen Landbesitz mehr hatte, wurde zum Adel gezählt. 


Aufgrund des Erbrechtes, dass die Güter zu gleichen Teilen auf die Söhne aufteilte, ergaben sich oft Besitzungen die zu klein waren, um bewirtschaftet zu werden, diese wurde oft verkauft, und so kam es dass es auch Adelige ohne Landbesitz gab. Bis zu 15% der polnischen Bevölkerung gehörten in den besten Zeiten dem Adelsstand an. Höhere Bevölkerungsanteile an Adeligen hatten nur Georgien und der Kaukasus.  Auch in Polen selbst gab es starke Streuungen, so z.B in Podlasien, Masowien, Dobrzyn und Lomza dort wurden 30 Prozent der Bevölkerung dem Adel zugerechnet. Im 18. Jahrhundert wurde der Adel abgeschafft.

1)

Mathias (Maciej) Hunger, geboren etwa 1635 in einem unbekannten Ort, war ein angesiedelter Kolonist im Holländerdorf zwischen Drage und Netze (auch genannt Olendry, Nähe Sophiendorf an der Drage). Sophiendorf oder Lukatz, adeliges Dorf an der Drage, nebst einer ev. Kirche mit 70 Feuerstellen. Gelegen an der oberen Poststrasse von Filehne nach Driesen in der Neumark
Diese Gegend war zu dieser Zeit ein einziger Matsch.
 
Seine Erwähnung findet sich u.a. in seinem Heiratseintrag am 09.01.1667 im katholischen Kirchenbuch Wielen.
Seine Ehefrau ist Hedwig Dumke (Dymek) *1638 in Selchow (Zelichowo). Hedwig, muss vor oder in 1679  verstorben sein, denn 1679 schließt Mathias eine neue Ehe mit Marianna Sturm.

Hedwigs Vater war Lucas Dumke *1602 Selchow, verstirbt in Selchow. Ihre Mutter war Dorothea N.N. Dumke's waren seit der Ortsgründung als Vorwerk dort bereits ansässig. Selchow - Selchau, adelisches Dorf und Vorwerk nebst einer Wassermahl- und Grütz-Stampfmühle mit seinerzeit 43 Feuerstellen, an der Landstrasse nach Schloppe gen Norden und Driesen in der Neumark im Süden.


2)

Kinder von Mathias und Hedwig sind:


Katharina  *1670 Olendry, + Olendry, 00 1695 Wielen, Joannes Schulz, *1670 Jedrzejewo,/Putzig,

Anna *1674 Olendry, +  Selchow, 00 1699 Wielen, Bartholomäus Bart (Bartek), ein Fischer aus Selchow,

Joannes *1676 Olendry, + Alt Latzig (Stare Laski, genannt Laski), Vorwerksgründung 1638 ,
00 um 1702 Wielen, Katharina N.N.


3)

Kinder von Joannes und Katharina :

Michael *1703 Olendry, 00 1730 Wielen, Katharina Dumke, *1707 Selchow,
+ 1799 Helst (Chelst) , (Eltern Martin Dumke und Anna Stach),

Marianna *1711 Laski,  + 1766 dto,
00 1736 Wielen, Michael Schulz *1705 Olendry, (Eltern Johann Schulz und Katharina Hunger (s.o) ),

Laurentius (Lorenz) *1713 Laski, + Huta, das spätere Glashütte, *
00 1752 Wielen, Catharina Becker (Bekies) * 1729 Huta, + 1762 Huta.
(Eltern Chrisoph Becker und Katharina Buk *1700 Zirkau (Sierakow) , Städchen an der Warthe),
Laurentius war insgesamt 3 x verheiratet

*
1709 entstand eine Glashütte und es kamen Arbeiter aus Böhmen, 1716 wurde der Ort Huta gegründet.
1742 kamen weitere Familien dazu: 10 Familien aus dem Brandenburgischen, 10 aus der Herrschaft, 6 aus den          Nachbargemeinden, 1 weitere aus Böhmen, 1773 214 Menschen (43 Bauern 3 Einlieger).


4)

Kinder von Laurentius und Catharina :

Jacob *1753 Huta,
00 1) 1783 Zaryn, Marianna Bedelmann *1760 Selchow, + 1792 Huta,
00 2) 1793 Wielen, Anna Nawrot,+ Huta,
Magdalena *1755 Kienwerder,
Martin *1757 Huta, 00 1785 Wielen, Regina Zagorska *1762, + 1832 Huta,
(Eltern Adalbert Zagorski, Pelzhändler und Kürschner, und Hedwig Kube (Kubianka), + 1789,)
Helena *1762 Huta,
00 1780 Wielen, Joannes Rosanke (Rozanek) *1746 Huta,







5)

Kinder von Martin und Regina Zagorska:

Marianna *1788 Huta,
Anna Elisabeth *1791 Huta,
Mathäus *1793 Huta, + Glashütte,
00 Anna Maria Elisabeth Teske *1795 Kienwerder, + 1895 Glashütte,
(Eltern Martin Teske und Anna Maria Sommerfeld aus Kienwerder)
Christian Michael *1799 Huta,

1827 war Mathäus Eigentümer und Landwirt in Kienwerder. Seine Religion war katholisch, die seiner Ehefrau Anna Maria Teske evangelisch. Die beiden verstarben in Glashütte. Die vielen Kinder wurden evangelisch getauft und konfimiert.







6)

Mathias *1817 Kienwerder, 00 1842 GH, Ernestine Nierenz, *1815, + 1872,
Mark *1818 in Kienwerder , Konfimiert 1832 in Lukatz,
Carl Friedrich *1819 Kienwerder,
Christine *1820, + 1825 Kienwerder,
Christoph August *1820, + 1821 Kienwerder,
Johanne Luise *1822 Kienwerder, konfimiert 1836 in Glashütte,
Henriette *1823 Kienwerder, konfimiert 1837 in Glashütte, 3 x verheiratet,
Johann Gottlieb *1825 Kienwerder, 00 1849, Henriette Petrich,
Johann Ferdinand *16.04.1827 Glashütte, 1852 Arbeitsmann in Kienwerder, 1892 Eigentümer, Einlieger, Landwirt und Arbeitsmann in Glashütte, + 22.08.1896 Glashütte, Geburtsort evtl. falsch angegeben und  Kienwerder,
00 04.01.1852 Klein Lubs, Eintrag im KB Eichberg, Ernestine Wilhemine Lisette Schering *1829 in ?,  1852 Aufenthaltsort Kienwerder, + Glashütte nach 1889,
Johann Michael *1828 Glashütte,  Geburtsort möglicherweise falsch angegeben und auch KW,
00 1855 Eintrag KB Eichberg, Ernestine Wilhelmine Priem, *1832 Neuendorf, gehen nach Wolhynien, dann USA,
Caroline Friederike *1831 , + 1833 Kienwerder
Carl Friedrich *1833 Kienwerder,





7)

Kinder von Johann Ferdinand und Ernestine :

Totgeburt */+ 04.04.1855 Kienwerder,

Auguste Marie *geschätzt 1860 in ?, 1889 Dienstmagd in Glashütte (2 uneheliche Kinder Julius Fritz *31.1.1885 und Anna Louise *8.3.1889),

Herman Adolf *15.07.1865 Koppenhof, Drage, Arbeiter, + Glashütte,
00 1) 27.01.1892 Glashütte,  
Bertha Hermine Emilie Jakobeck *04.02.1867 Schöneberg bei Driesen, Neumark, Brandenburg,
+ 30.09.1900 Glashütte,
(Eltern Casimir Jakobek *1836 Schneidemühlchen (Pilka) + vermutlich in Ernstdorf bei Berlinchen und Marie Louise Auguste Graß *26.3.1844 in ? , + 24.9.1873 Schöneberg,Friedeberg)

00 2) 16.02.1901 Glashütte, Martha Louise Anna Hunger (Großcousine von Hermann) 
*13.09.1878 Glashütte, + 1930 Glashütte,
Vater Berthold Albert Hunger und Franziska Bark aus Glashütte, beiden haben 4 gemeinsame Kinder

Bertha Louise *1868 Glashütte, 00 1897 Kreuz, August Robert Kroll *1866.



Ev. Kirche Eichberg. Eichberg war ein adeliches Dorf und seinerzeit 34 Feuerstellen, nahe der alten Heerstrasse von Filehne zu Stadt Schlope,




8)
Kinder von Hermann und Bertha:

Ida Hedwig * 09.10.1892 Glashütte, 00 1915 Glashütte, Max Eduard Mielke, *25.05.1891 Selchowhammer,
Ida Louise *28.09.1893 Glashütte, + 27.05.1953 Rüdersdorf bei Berlin, beerdigt Kolonistenfriedhof,
00 1) 25.07.1920 Glashütte, Paul Adolf Johannes Zapik, *22.08.1892 Corda,  + 14.06.1924 Landsberg,Warthe,
Krankenpfleger im 1. WK, dann Eisenbahnarbeiter, starb an Lungenkrankheit, 
00 2) 07.04.1934 Kreuz, Daniel Herold, *1882 Klöstitz, Bessarabien, + 1959 Rüdersdorf s.o.
Heiratseintag # 18, Zeuge Johann Herold, 56 Jahre aus Kienwerder und Karl Wendland 45 Jahre aus Kreuz, AufgebotsNr.13, Abschrift aus dem Hauptregister,
Otto Hugo *15.10.1894 Glashütte,
Georg Hermann *21.01.1896 Glashütte, + 24.12.1898 Glashütte,
Emil Reinhold *7.1898 Glashütte, 23.12.1898 Glashütte,
Olga Frieda *20.8.1899 Glashütte,
Artur Bruno *30.09.1900 Glashütte, + 19.01.1901 Glashütte,

Kinder von Hermann und Martha Louise Anna :

Gustav Albert *30.1.1908 Glashütte, + 10.11.1975 Fredersdorf bei Berlin,
00 1934 Kreuz, Johanna Öckert, *1913 Klein Lubs, (haben 2 Kinder),

Wilhelm Herman * 03.02.1908 Glashütte, + 16.04.1909 Glashütte,
Margarethe Charlotte Johanna *24.05.1910 Glashütte,

Hugo *28.02.1912 Kreuz, + 13.05.1961 Spiekershausen, Niedersachsen,


Sie kamen als Kolonisten, lebten meist als Landwirte, seit Beginn der Industriealisierung auch als Arbeiter, durch Errichtung des Eisenbahnknotenpunktes als Eisenbahnarbeiter (Schaffner, Gepäckträger usw.). Spätestens nach Kriegsende 1945 haben alle die Heimat verlassen.


Erst Huta, dann Glashütte, dann Huta Szklana. Adeliches Dorf mit seinerzeit 33 Feuerstellen, nebst ev. Kirchenfiliale zu Eichberg, an der alten Poststrasse nach Driesen/Neumark.





In Deutschland kam am 01.07.1922 ein Ostmarkengesetz zum Abschluss, das eine neue Provinz mit der Bezeichnung "Grenzmark Posen-Westpreußen" aus der Taufe hob. Der Oberpräsident war in der kleinen Stadt Schneidemühl angesetzt. Dieser Provinz war nur ein sehr kurzes Leben beschieden und sie wurde am 01.10.1938 wieder aufgelöst.

http://www.netzekreis.de/

http://www.akrantz.pl/abwanderung.htm

http://www.ostbahn.eu/html/krzyz_pila.html

http://www.ostbahn.eu/html/gorzow_krzyz.html





Die Netze



Buch: Parochia Kottnensis, Das Untertanenbuch der Herrschaft Filehne vom Jahr 1742 von Peter von Gebhardt, Sonderdruck Grenzmärkischer Heimatblätter, 1. Teil 1930

Evangelisches Gemeindeblatt Ostbahn-Glocken für die Ortschaften Busch-Lukatz, Drage-Lukatz, Dratzig, Groß- und Klein Lubs, Kienwerder und Kreuz 1915:
29.08.1915 bei herrlichem Sommerwetter Gottesdienst auf dem Markplatz zum Andenken an die Schlacht von Tannenberg. Vereine waren mit Fahnen erschienen.
01.10.1915 Unsere Waffenbrüder im Felde, das Eiserne Kreuz erhielten der Fiselier Paul Hunger, Wehrmann August Jabbusch, Vizefeldwebel Fritz Teske, Landstrummann Gustav Teske, Krankenpfleger Fritz Zapik, Gefreiter Otto Zapik, Musketier Paul Zapik, Kanonier Alfred Zapik.

Eingezogen wurden aus Kienwerder : Emile Bläsing, Hugo Hunger und Kantor Zarbock.
Den Heldentod starben Lehrer Hahn, Hugo Hunger 12.11.1914 in Frankreich.


http://studylibde.com/doc/2246030/netzekreis-ahnen-druckversion-als




Mittwoch, 11. Januar 2017

Auswanderung Familie Seyfried und Kyre aus Loffenau, Baden, Deutschland





 

Im Landesarchiv Baden-Württemberg/Hauptstaatsarchiv Stuttgart, findet man den Eintrag des Klosteramtes Herrenalb (Bestand Nr. A 489 L Bü 35) der Auswanderung im Jahr 1783:

"Auswanderung der Samuel Friedrich Seyfrid, Joseph Zimmermann, Jacob und Christoph Kyr aus Loffenau sowie der Christoph Kueller und Mattheus Schefer aus Neusatz nach Österreich und Polen"

Wildbad (heute Bad Wildbad) und Loffenau liegen unweit von Herrenalb (heute Bad Herrenalb) südlich von Pforzheim.

Ein Martin Seyfried *1612 starb 1663 in Wildbad, ein Johann Martin *1652 Wildbad, hatte zahlreiche Nachfahren.

In alten Kirchenbucheintragungen von Loffenau ist die Familie Kyre vor 1670 vermerkt. Heimatforscher erwähnen, das der Familienname aus Schweden stammen könne (durch den 30 jährigen Krieg möglich). Später wurde der Name wegen seiner Fremdartigkeit als Kyrin, Kiery, Kühry usw. verändert.

In Loffenau erwähnt:
Die Auswanderung unserer Landsleute in so großer Zahl hatte ihre Gründe: Wirtschaftliche Not in der Heimat, harte Zehntlasten, Mißernten, Frohnden, Gemeindienste, Erbteilung, Arbeitslosigkeit, Kriegsnöte, Revolution und Inflation. Nachstehende Namen sind ausgewandert: Ablidauer, Albar, Adam, Bertsch, Braun, Dorn, Geßler, Grau, Grimm, Großhanns, Hecker, Herb, Kellner, Klenk, Kyre, Lehmann, Luft, Mahler, Mangler, Meermann, Merkle, Möhrmann, Müller, Römmele, Seeger, Stein, Stickel, Stückel, Streeb, Sturm, Treiber, Volz, Walz, Wildner, Zeltmann, Zimmermann, Zollmann.

Die erste Generation in Reichsheim:


Samuel Friedrich Seyfried, *1740 Wildbad (Bad), Vater Egidius,
00 1767 Loffenau, Anna Maria Kyr (in) *1741 Loffenau, + Reichsheim,
Vater Mathes Kyre *1670 Loffenau, + 1714 , Mutter Maria Catharina Kuntzmann,

Kinder:
Johann Adam *1768 Loffenau,
Maria Catharina Margaretha *1770 Loffenau, + 1822 Padew,
00 1788 Reichsheim, Johann Philipp Kurz *1767 Schwetzingen,
Philipp Jacob *1778 Loffenau,
Christian Friedrich *1780 Loffenau, + 1839 Reichsheim, 00 Catharina Gimpel,
Catharina *1806 Reichsheim, + 1848 Reichsheim,
Carl *1810 Reichsheim, 00 Maria Schmied *1813,
Georg Franz *1812 Ostrowy,


Reichsheim:








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Sonntag, 8. Januar 2017

Familie Heinrich, 1949 - 1989 in Buchholz, Serwest, Barnim, Deutschland



Mein Großvater Andreas Heinrich besuchte nach seiner Heimkehr aus der Gefangenschaft 1949 gelegentlich seine Geschwister mit ihren Familien, die nach Ende des zweiten Weltkrieges geflüchtet und nun im niederen Fläming lebten. Das war glücklicherweise nicht so weit von Saarmund, wohin es meine Großmutter 1945 nach der Flucht hinverschlagen hatte. Großvaters Geschwister wussten, dass er im Gegensatz zu meiner Großmutter nicht in Saarmund bleiben wollte, denn sein Wunsch nach einem erneuten eigenen Hof war sehr groß.

Eines Tages erzählte ihm eine Nichte, dass eine Siedlerstelle in Buchholz bei Serwest frei geworden wäre. Der Eigentümer war in den Westen geflohen. 

Buchholz, die ehemalige Gutssiedlung, die im 13. Jahrhundert zum Domänenamt und Kloster Chorin gehörte, hatte ehemals ein Vorwerk und betrieb eine größere Schäferei. Dann lag es teilweise wüst. Seit 1860 gab es eine Kartoffelspritbrennerei. Das Gut gehörte 1949 Herrn Lindenberg. Seine Gattin war bereits verstorben. Sie hatten zwei Töchter. Die ältere heiratete einen Herrn Hohenholz. Die Ehe blieb kinderlos. Zu dem Gutshaus gab es einen kleinen Friedhof auf der Anhöhe. Der Ort selbst lag fernab der Hauptstrasse.

1949 lebten dort die Familien Beuster, Finow, Friedrich, Gottschalk, Hopke, Jäger, Jesse, Jonas, Kallm(n)bach, Krause, Kluge, Kressin, Lange, Litkowski, Orlowski, Peters, Runnewitz, Syska, 
Warnow 2 Familien, Wolter, Zickesch.

Viele davon waren Flüchtlinge, Integration fiel deshalb leicht. Niemand fragte woher man kam .

Im Herrenhaus lebte auch der alte Schäfer, unter dessen Fenster eine Bank stand. Hier war zudem eine Rampe und eine Linde. Es war der Treffpunkt der Dorfjugend und der Schäfer kippte Wasser aus dem Fenster, wenn es ihm zu laut wurde.

Es gab die Brauerei, kurzfristig einen Konsum - ging dann nach Serwest, 1 Haus mit 4 Familien, 4 Schnitterhäuser aus rotem Stein mit eigenem Hauseingang, insgesamt wohl 13 Häuser. Die evangelische Kirche und die Schule waren in Serwest. Dorthin liefen die Kinder täglich bei jedem Wetter zu Fuß.

Mein Großvater bewarb sich um diese Siedlerstelle in Buchholz und wurde genommen. Allerdings war das kleine Bauernhaus noch im Rohbau ohne Dach, so daß man noch nicht einziehen konnte. Deshalb kam die Familie im Februar 1949 erst im Herrenhaus im 1. Stock unter. Die ehemalige Herrschaftsküche war im Keller. Hier wurde z.B. Sirup gekocht. Frau Hohenholz war so freundlich meiner Oma Geschirr zu schenken.




Dann wurde eine Wohnung in einem Schnitterhaus in der Nähe des Rohbaues frei und Heinrichs zogen um und blieben dort, bis das eigene Heim fertig war. Aber das dazugehörige Feld musste gleich bestellt werden und die Heinrich Kinder mussten egal welchen Alters sofort auf dem Feld helfen.






Heinrichs hatten 5 Kinder, welche nach der Schule sofort helfen mussten und kaum Zeit zum Essen hatten, geschweige denn zum spielen. Meine Mutter war die Älteste und ging von Februar 1949 bis Mai 1949 in die Schule in Serwest. Es gab dort zwei Klassen : 1.-4. und 5.-8. Klasse. Ein Lehrer hieß Wagner. Er wollte später das Mutti in die FDJ eintritt und in Angermünde in seinem Büro arbeitet, denn er war neben dem Beruf des Lehrers auch FDJ Leiter.









Mit 14 Jahren war Schulende und sie sollte auf Anraten des Pfarrers und des Lehrer schulisch weitermachen, sie kamen zu Opa nach Hause um dies vorzuschlagen, aber Opa hat die beiden rausgeschmissen und gesagt es wäre seine Entscheidung, da man sie auf dem gerade übernommen Hof unbedingt bräuchte. So übernahm sie Arbeit in Haus und Hof und besuchte in Serwest die Berufsschule. In der erhielt sie eine Urkunde für die beste Schülerin des "Lernaktives". Sie konnte ebenso wie ihr Vater sehr gut rechnen.



 


Mit Gründung der LPG'S ab 1952 als "freiwilliger" Zusammenschluss von Bauern veränderten sich die Lebensumstände drastisch. Die Eigentümer durften zwar auf Grund- und Boden verbleiben, als Verschärfung folgte dann die Zwangskollektivierung. Mein Großvater war auch ein anerkannter Fleischbeschauer und konnte sehr gut rechnen. Er soll als letzter in die LPG eingetreten sein mit der Bedingung, das meine Großmutter nicht mehr mit auf das Feld mußte. Auch er erhielt eine Urkunde für die Prämierung der Tiere. Die Zeitschrift der Freie Bauer wurde sorgfältig als Toilettenpapier zerschnitten und fand so die bestmögliche Verwendung.




Herrn Lindenberg, der als Gutsherr sehr viel zu verlieren hatte, ging mit seinem Stock auf die Felder und schrie seinen Ärger und seine Wut über die Enteignung hinaus. Er starb wohl 1950.






Im Januar 1953 ging sie in Angermünde mit Freundin Lilo tanzen, diese hatte die Hand verbunden. Mein Vater war zu dieser Zeit in Pinnow stationiert und wollte erst Freundin Lilo zum tanzen auffordern, so forderte er aber meine Mutter auf. Im April 1953 hat mein Vater dann meine Mutter und ihre Freundin Lilo in Buchholz zum tanzen abgeholt und im April 1954 haben meine Eltern in Serwest geheiratet.

Nun erlaubte mein Großvater auch, dass meine Mutter einer anderen Tätigkeit nachging. So kam sie im Juni 1953 zur Zentralstelle für Tierzucht in Eberswalde als Leistungsprüferin. Sie testete einmal die Woche den Fettgehalt der Kuhmilch (3,5 %) und erstellte den Ertrag der Kühe. Das Labor war in Chorin und sie fuhr z.B. im Dunkeln im Winter, selbst wenn Eis lag, mit dem Fahrrad an die verschiedenen Stellen. Die Büroarbeit erledigte sie zu Hause. Ihr Bereich waren die Orte Groß-Ziethen und Senftenhütte.






Jährlich im März gab es Maskenball, Tanz in den 1. Mai und das Erntefest in Serwest, immer wurde getanzt, z.B. bei Hindenburg ein Lokal in Serwest. Jugendliche durften nicht herrein und sind durch das Fenster eingestiegen, wurden aber ausgemacht und wieder rausgeschmissen. Es gab noch ein anderes Lokal in Serwest, in dem getanzt wurde. Von Chorin kommend gleich am Ortsanfang auf der linken Seite, später vorübergehend ein Fischgeschäft. Hier war mein Großvater jeden Mittwoch nach dem Schweine taxieren eingekehrt. Wenn er heimkam nannten die Kinder das "am Mittwoch ist der Himmel blau". Mutti ging mit 16 Jahren das erste Mal dort zum Tanzen.

Mein Vater war verarmt, aber meine Mutter hatte in kurzer Zeit 2000 Mark angespart, wovon sie u.a. das Hochzeitskleid und ein paar Stiefel bezahlen konnte. Das Kleid nähte eine Dame aus Serwest. Als Mitgift bekam sie 3000 Mark, da sie in den langen Jahren zu Hause ohne Lohn gearbeitet hatte.

Ihre 3 Brüder lernten später Handwerksberufe in Britz im Eisenwerk, mussten täglich 3 km zum Bahnhof in Chorin, die einzige Schwester ging als gute Schülerin nach Joachismtal in's Internat, wo sie ihren späteren Mann kennen lernte.










































Nach der Verheiratung meiner Mutter 1954 war sie gelegentlich in Buchholz bei zu Besuch. Als wir Ende 1959 nach Westdeutschland flüchteten, war der erste Besuch in Buchholz 1967, der zweite 1973/4, der dritte 1983. Weitere dann erst wieder nach 1990.

Mein Großvater verstarb im Dezember 1989 und hat die Grenzöffnung kaum mehr realisiert. Meine Großmutter verstarb in den 90ern. Sie wurde vorher wieder als Eigentümerin für den Hof eingetragen, aber keiner der Kinder hatte Interesse diesen zu übernehmen. Alle 5 hatten eine unangenehme Erinnerung an die Zeit in Buchholz. Sie fühlten sich dort nie zu Hause, erzählten stets von Saarmund. So wurde der Hof verkauft. Ich möchte ihn so in Erinnerung behalten, wie ich ihn in den 90ern zuletzt sah.



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